Wie ist es um die digitale Abstinenz bestellt?

„Papa, pack doch mal das Handy weg.“ „Papa, kannst du mal kurz schauen…“ „Nur kurz.“ „Mensch, Papa.“ Wir kennen das. Der Nachwuchs buhlt um Aufmerksamkeit. Seit einigen Jahren jedoch vermehrt auch das kleine Gerät, das wir liebevoll immer noch Handy nennen. Das wir mal angeschafft hatten, um zu telefonieren. Macht das überhaupt noch jemand? Es entzieht uns unsere Aufmerksamkeit. Und die Kinder spüren das. Kann Medienerziehung für uns Eltern helfen?

Schlagzeilen, ob wichtig oder nicht, E-Mails, WhatsApp, hier eine Nachricht, da eine Mitteilung. Wir schimpfen über lästige Bannerwerbung auf Webseiten, sie würde blinken und uns ablenken. Aber dabei sind wir doch genau für diese Ablenkung zu haben. Kaum poppt etwas auf dem Bildschirm des Smartphones auf, ist unsere Aufmerksamkeit dort.

Die Digitalisierung verändert uns Eltern. Darüber schrieb ich bereits auf dem Blog und im Rahmen der Nürnberg Web Week. Viel Nützliches, aber genauso viel Unnützes ist auf dem Smartphone von uns Eltern zu finden. Wenn du auch noch selbstständig bist und das Smartphone nutzt, um „schnell mal“ E-Mails zu checken, nach bestimmten Infos zu suchen, dann hat dich eigentlich die Digitalisierung schon in der Hand.

Medienvorbild? - Foto (c) fancycrave1 - pixabay.com
Medienvorbild? – Foto (c) fancycrave1 – pixabay.com

Medienerziehung – Digitale Entziehungskur

Ich wende mich dem kleinen Smartphone Bildschirm zu. Der Nachwuchs kann nicht erkennen, ob es wichtig, geschäftlich oder unwichtig ist. Ob es einfach der Zerstreuung dient. Welcher Zerstreuung? Hat man kleine Kinder, sind diese doch Zerstreuung genug, oder? Vor allem das „nur mal kurz“ kommt auch bei den Kindern an. „Warte. Nur kurz“, „Moment noch“, „Ich muss nur eben“.

Manchmal kann es wichtig sein. Nicht unbedingt bin ich ein gutes Vorbild bei der Mediennutzung. Aber ich arbeite dran. Und dafür gibt es klare Regeln.

  • Kein laufender Fernseher beim Essen
  • Kein Smartphone, Tablet oder gar Laptop am Esstisch, wenn gegessen wird
  • Kein Smartphone beim Vorlesen für die Kinder
  • Das Smartphone wandert fürs Wochenende weg

Die kleinen Geräte, die mehr Power als viele Computer haben, haben uns im Griff. Sie diktieren unseren Alltag. Wir meinen, durch sie Zeit zu sparen. Manche Apps sind dafür gut. Die meisten dienen aber der Zerstreuung. Nichts gegen Zerstreuung, aber in Maßen und zur richtigen Zeit. Der Nachwuchs möchte Kontakt zu uns. Wir setzen ihn früher, als ohnehin schon, damit aufs Spiel. Es sind die gemeinsamen Momente, die den Kindern im Gedächtnis bleiben.

Medienerziehung – Gemeinsam Digitales entdecken

Verteufeln ist der falsche Weg. Offen für Neues sein und zusammen mit den Kindern Digitales ausprobieren. Gerade bei Apps, sollten wir Eltern vorher einmal gründlich draufschauen. Denn viele Apps, die vermeintlich kostenlos daherkommen, weisen oft teure In-App-Käufe auf. Dann ist das Taschengeld um ein Vielfaches weg. Auch die Datenschutzbedingungen und vermeintlich harmlose Chatfunktionen, stießen die Prüfern auf, wie der Artikel in der SZ weiter zeigt.

Online-Spiele sehen oft harmloser aus, als sie sind. Darüber sprach der Kriminologe Thomas-Gabriel Rüdiger auf der #denkst17, die ich zusammen mit Susanne ausrichtete. Dies hat auch mit Medienerziehung für uns Eltern zu tun. Zuhören, hinschauen und gemeinsam mit den Kindern einen Weg finden, das Digitale positiv zu erleben.

Medienerziehung bei dir

Wie ist es bei dir? Schaust du auch regelmäßig auf dein Smartphone, ob es etwas „Neues“ gibt? Schreib es mir doch unten in das Kommentarfeld. Moment, bekomme gerade eine SMS von den Kids, wann ich endlich vom Computer aufstehe. So kann’s gehen. Verrückte Welt.

Header-Foto (c) natureaddict @pixabay.com

4 KOMMENTARE

  1. Klar schauen wir oft auf’s Smartphone. Aber genau so oft legen wir es auch beiseite. Ich liebe die neuen Medien genau so sehr, wie meine Kinder. Aber unsere Familie schätzt es, RICHTIG zusammenzusein. Ohne abgelenkt zur werden. Egal von was. Danke für Deinen Artikel, der mir den Anstoß gibt, den ich immer wieder brauche: Mir die Zeit “ohne” immer wieder bewusst zu nehmen.

  2. Liebe Svenja,

    danke für deinen Kommentar. Genau auf das “richtig” kommt es an. Die gemeinsamen Momente genießen und schätzen…

    Liebe Grüße

    Sven

  3. Das Smartphone ist mein bester Freund, wenn mir langweilig ist oder ich mich allein gelassen fühle. Wenn ich irgendwo stehe und niemanden zum Unterhalten habe, höre ich meistens Musik oder tippe “beschäftigt” auf dem Handy herum, um nicht zu verloren auszusehen. Dumm nur, dass dann jeder denkt, ich sei wirklich beschäftigt 😀

    Allerdings finde ich mein Handy unglaublich unspannend. Auf meiner Facebookoberfläche passiert selten etwas spannendes, weil ich kaum aktiv bin. Für Instagram habe ich selten Zeit und Snapchat hatte ich noch nie… (WAS IST FALSCH MIT MIR?! 😀 )

    Meine Familie ist was Technik angeht total unversiert. Meine Brüder sind beide vor 1990 geboren und ich(1996) gehöre theoretisch zur “Generation Z, der das Handy quasi in die Wiege gelegt wurde. Da ich aber so abseits dieser Medien aufgewachsen bin, habe ich noch den nötigen Respekt. Ich lege das Handy weg, wenn ich mich unterhalte oder lasse es ein ganzes Wochenende in der Tasche, wenn ich mit anderen zusammen bin.

    Im Urlaub benutze ich es maximal für einen Schnappschuss oder um meinen Eltern zu sagen, dass ich Lebe 😀 ich vergesse es teilweise richtig und finde das unglaublich befreiend.

    Bei meinen Schwiegereltern ist das etwas paradox. Die sitzen wirklich pausenlos vorm Fernseher, wenn sie gerade nichts zu tun haben. Auch beim Essen läuft das Ding – für mich ist das unglaublich anstrengend. Mir wird beim Fernsehen (wenn es kein Bildungsfernsehen ist) langweilig. Wenn ich dann zum Handy greife, werde ich irgendwann schroff drauf hingewiesen, dass ich es weglegen soll… äääh bitte was? Ihr starrt seit einer Stunde stumm auf die Mattscheibe…

    Ja, ich würde sagen, ich würde sogar mit einem Oldschool-Tasten-Telefon klarkommen – zumindest die meiste Zeit. ich glaube wir wären alle glücklicher und produktiver, wenn das kleine Ding nicht immer in der nähe wäre.

    Liebe Grüße > sara

    • Liebe Sara,

      danke für deinen offenen Kommentar. Nach dem anfänglichen Kribbeln, dass man kein Smartphone mehr in der Hand hat, geht es doch besser. Aber es hat schon Suchterscheinungen 🙂
      In diesem Sinne, jetzt ab mit den Geräten in ein Kästchen und erst Montag hervorholen.

      Liebe Grüße
      Sven

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