Überraschungslesen in der Grundschule

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Pssst - es geht in die Schulbibliothek zum Vorlesen
Pssst – es geht in die Schulbibliothek zum Vorlesen

Der Anteil an Grundschülern, die nicht gut lesen können, liegt seit Jahren konstant recht hoch. Dafür gibt es unterschiedliche Gründe. Einer ist der, dass Väter ihren Kindern zu wenig vorlesen. Mag die Buchauswahl und das Vorlesen in den ersten drei Lebensjahren noch oft erfolgen – angefangen bei Gute-Nacht-Reimen über Bilderbücher mit erstem Text, bis hin zu ersten Geschichten – nimmt es dann immer weiter ab. Dabei ist das Vorlesen so wichtig.

[tweetthis remove_twitter_handles=”true” remove_url=”true” remove_hidden_hashtags=”true”]Lesen soll zum Nachdenken animieren. Gäbe es keine Vielfalt und Klischees, gäbe es auch keine Fragen mehr. Lesen schafft Neugierde.[/tweetthis]

Da kam jetzt das Überraschungslesen an der Grundschule unserer Zwillinge gerade recht.

Überraschung für beide Seiten

Am vorigen Mittwoch konnten sich alle Schüler eines von 30 vorgestellten Büchern aussuchen und ihre Eintrittskarte mit Namen und Nummer des betreffenden Buches beschriften. Wer vorliest und wo vorgelesen wird, sollte bis gestern eine Überraschung bleiben. Ich hatte mich im April für das Vorlesen angemeldet und gehofft, dass ich dieses Mal nicht der einzige Quotenpapa bin. Wer von arbeitenden Väter kann sich schon einfach so mal Freitagvormittag zur Schule begeben, als Cowboy verkleidet, um den Kindern aus einem Buch vorzulesen.

Als ich eintraf freute ich mich umso mehr. Drei andere Väter waren noch zur Stelle, um aus “Max und Moritz” oder “Anton und Antonia” vorzulesen. Hut ab. Wir bekommen unsere Zettel mit unserem Vorleselort und den Kindern, die zu mir zum Zuhören kommen. Ich darf in die Schulbibliothek. Das freut mich, da gibt es genug Kissen für alle. Und auch weniger verwunderlich ist es, dass sich nur Jungs für meine Titelvorschlag “Johnny Cowboy jagt Banditen Bob” eingetragen haben. Größtenteils aus der vierten Klasse. Na, denke ich mir, das kann ja heiter werden. So ist es eine Überraschung für beide Seiten, schließlich kannte ich meine Zielgruppe nicht. Umso schwerer ist es dann, ein Buch für das Alter zu finden. Schließlich waren alle Altersgruppen, von der ersten bis zur vierten Klasse vertreten.

Und es kam, wie es kommen musste. Ein Teil der Viertklässler schien mehr Interesse daran zu haben, sich mit Kissen zu kloppen, als zuzuhören. Doch als im Buch der Hausmeister für Ruhe sorgte und kurz darauf in der Schulbibliothek der echte Hausmeister auftauchte, um ein paar Bilder zu machen, war Ruhe im Karton. Meine Androhung, die Störenfriede draußen am Marterpfahl festzubinden und mit einer Entenfeder zu kitzeln, fruchtete. Ich konnte die 45 Minuten einigermaßen in Ruhe weiterlesen.

Ob es ihnen gefallen hat, lässt sich nur erahnen. Der zu Beginn laute Rädelsfüher, war nach einigen Kapiteln ein guter Zuhörer geworden und ging im Text richtig mit. Die zwei Mädchen aus der dritten Klasse, die versehentlich im falschen Raum gelandet waren, bewahrten Fassung. Kurzum: so schlecht war es nicht. Auf alle Fälle fand ich die Idee des Überraschungslesens gut. Dass auch Eltern eingebunden wurden, umso mehr. Denn den Zugang zum Lesen und zu Büchern sollte man möglichst früh legen, wozu auch eine Schulbibliothek beitragen kann.

Keine verlässlichen Zahlen

Schulbibliotheken sind wichtig und nützlich. Selbst an Grundschulen. Doch leider gibt es keine verlässliche Zahlen. Ob es ein kleiner Raum ohne Fenster mit drei Büchern ist, oder ein heller, freundlicher Raum mit Fachpersonal, Computerarbeitsplätzen und einem Rückzugsort. Alles das kann eine Schulbibliothek sein. Die Zahl derer an Grundschulen dürfte damit um noch einiges geringer ausfallen.

Von den etwa 43.000 allgemeinbildenden und den ca. 9.000 berufsbildenden Schulen verfügen nur wenig mehr als 15 Prozent über eine fachlichen Standards entsprechende Schulbibliothek.

(Quelle)

In einem anderen Artikel hatte ich aufgeschrieben, was wir so vorlesen und die Kinder gerne hören. Dabei ist es ja sehr wichtig, sich über die Altersgruppe klar zu werden. So wäre eine weitere Unterteilung beim Überraschungslesen in 1./2. und 3./4. Klasse meiner Meinung nach sinnvoller gewesen. So hätte man noch etwas besser auf die Zuhörer eingehen können.

Was lest ihr vor? Wie lest ihr vor? Gibt es solche Veranstaltung bei euch an der Grundschule? Ich freue mich über euren Kommentar unter diesem Beitrag.

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