Was ist heute los? Verlust der eigenen Kindheit?!

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Was ist heute los? Es reicht nicht mehr, zum Kindergeburtstag im Kindergarten einen Kuchen zu backen und mitzubringen. Wenn du nicht für alle Kinder der Gruppe ein “Mitgebetütchen” hast – bitte nicht nur ein Lutscher – bist du unten durch. Hier versuchen sich Eltern gegenseitig hochzuschaukeln. Schaut mal, was wir haben. Was wir geben können. Bei manch einen dieser Eltern ist aber kein Geld da, das Kind im Kindergarten am Mittagessen mitessen zu lassen. Stattdessen quillt die Futterdose mit eilig zusammengekauften Süßkram über, der weit über dem Preis des Mittagessens liegt. Die Kindheit brennt.

Der letzte Satz ist nicht von mir, sondern die Anlehnung an Pia Ziefles “Event, Event, die Kindheit brennt“. Der Artikel stimmt nachdenklich, traurig, wütend – alles zugleich. Wohin manövrieren wir uns und vor allem unsere Kinder. Wir bevormunden den Nachwuchs, nabeln ihn ab von eigenen Erfahrungen. Wir grenzen den Bewegungsraum der Kinder ein, überwachen und chauffieren. Elterntaxis verstopfen Innenstädte und wie Pia schrieb, zum “normalen” Spielen kommt niemand mehr vorbei.

Man muss sich als Eltern gegen den Druck – oder ist es jetzt schon Mainstream – stemmen, wenn man den Nachwuchs nicht mindestens dreimal die Woche zu Sport und sonstigen Beschäftigungen chauffiert. Der Nachwuchs kann sich, je größer er wird, das aussuchen, was in seiner Nähe liegt und ihm Spaß macht. Was bringt es, die Kinder zum Hockey Kilometer zu fahren, nur weil man selbst in der Jungend gerne Hockey gespielt hätte?! Nichts.

Wir sind von Helikopter-Eltern umgeben. Eigentlich müssten sich die ganzen Rotoren allesamt in die Quere kommen. Der Nachwuchs als Projekt. Wehe, das Kleinkind funktioniert nicht wie ein Erwachsener.

Was, du willst noch spielen? Pah. Lerne mal lieber deine Chinesisch-Vokabeln, damit später aus dir was wird. Spielen kannst du später. Ja?!

Früher war nicht alles besser. Da verzerrt man gerne mal. Aber Gelassenheit war da. Mehr Ruhe. Heute gehört das Wort “Stress” schon zum Umgangsvokabular. Nimmst du es selbst nicht in den Mund, um die eigene Lage zu beschreiben, wird es angenommen. Wehe, du sagst, och mir gehts gut. Perfekt. Danke. Und selbst?! Kinder brauchen einen Raum, in dem sie ihre eigenen Erfahrungen machen können. Also, Elterntaxi in die Garage, Helikopter einmotten und wenn Spielkameraden vorbeikommen, ein offenes Haus bieten und alle willkommen heißen. Es wird sich auszahlen.

Update:

Dieses Video der Haeuslers passt auch zum Thema:

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