Geht zu Fuß

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Wir kennen das schon aus dem Kindergarten. Selbst bei strahlendem Sonnenschein wird ein Großteil der Kinder mit dem Auto fast direkt vor die Tür des Kindergartens gefahren. Gott sei Dank lässt sich der Eingangsbereich bei uns nicht direkt mit dem Auto erreichen. Man muss sich also ein paar Meter davor einen Parkplatz suchen und dann – oh Graus – das Kind zu Fuß in den Kindergarten bringen. Wenn das mal sicher ist. Was da alles passieren könnte. Man kan aber auch übertreiben.

Elterntaxis sind gefährlich. Sie sorgen nicht nur für weitere Bequemlichkeit beim Nachwuchs, sondern gefährden auch die Kinder, die zu Fuß zur Schule kommen. Oftmals scheitert es einfach an geeigneten Parkplätzen. Viele Eltern trauen es ihren Kindern nicht zu, den Schulbus zu nehmen oder möchten sie vor allen Widrigkeiten des Lebens beschützen. Regentropfen eingeschlossen. Dass man nur das Beste für den Nachwuchs will, liegt irgendwie in der Natur der Sache. Der Schutzengelsensor ist ausgefahren. Man straft alle nicht an einem vorbeischleichenden Autofahrer mit einem bitterbösen Blick ab – natürlich gibt aber es auch wirklich uneinsichtige Zeitgenossen die sich nicht an Tempolimits halten (die gehören geblitzt, geteert, gefedert) – und räumt alle Hindernisse vor dem Nachwuchs aus dem Weg. Das kann es aber nicht sein.

Laut des Statistischen Bundesamtes kamen im vergangenen Jahr weitaus mehr Kinder im Auto ihrer Eltern zu Schaden als auf dem Fußweg, wie auch der ADAC aktuell berichtet. Natürlich sollte man Kleinkinder und Schulanfänger nicht an einer vierspurigen Hauptverkehrsstraße alleine zur Schule laufen lassen. Dafür sind sie noch zu klein. Aber man kann in den meisten Fällen neben dem Schulbus eine andere Route einschlagen.

Die Vorteile liegen für die Kleinen auf der Hand

  • sie sind an der frischen Luft
  • sie “toben” sich vor Unterrichtsbeginn ein wenig aus
  • der soziale Aspekt wird gesteigert

Diese Liste ließe sich fortführen.

Raus an die Luft

Die Kinder von heute sind viel zu selten draußen. Und wenn, dann häufig unter den Augen der Eltern. Kein eigener Freiraum mehr. Unvorstellbar, dass wir vor 20, 30, 40 Jahren zu unseren Eltern sagten, wir gehen zu X und dann einfach bis zum Abendessen verschwanden. Dass wir nicht in X Zimmer die ganze Zeit saßen, lag auf der Hand. Zu Fuß und mit dem Fahrrad wurde die Umgebung abgeklappert. Gut, 50 Jahre sind lange her, aber damals hatten die Kinder einen Bewegungsradius von rund 8 km – ohne Beaufsichtigung der Eltern wohlgemerkt – heute ist es unter einem halben Kilometer (sprich unter 500m). 2002 wurden schon 53% der Wege mit Kindern bis 9 Jahren im Auto zurückgelegt – Tendenz steigend. Und falschparkende Autos vor Grundschulen, verstopfte Wege und das Hetzen in letzter Minute führt zu gestressten Eltern, die ihre Stimmung automatisch an die Kleinen weitergeben.

Überaus lesenswert, nicht nur für einen Schulweg zu Fuß, ist das Buch “Wie Kinder heute wachsen“. Herbert Renz-Polster und Gerald Hüther. Es ist ein Plädoyer für eine geliegende Entwicklung der Kinder, wenn man sich der Natur mehr annähert. Was unterscheidet die Welt draußen mit ihren Wäldern, Wiesen, Hinterhöfen von einem rein virtuellen Erleben vor Fernseher, Spielekonsole oder Computer?! Wie lässt es sich vereinbaren und welchen Gewinn ziehen Kinder und Eltern daraus, sich mehr draußen zu bewegen.

Ich würde gerne allen Eltern, die ihren Nachwuchs bei schönstem Wetter vor Kindergarten oder Grundschule absetzen am liebsten das Buch und den Artikel des ADAC unter den Wischer klemmen, aber ob sie es sich ansehen und verstehen? Ich bezweifle das ein wenig.

Und das denken Twitterer darüber

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Die SZ zum Thema Frühförderwahn – passt hier eigentlich auch ganz gut.

Wie ist es bei euch? Liegt der Kindergarten, die Grundschule/Schule in erreichbarer Nähe zu Fuß? Was spielt sich dort morgens ab und wie macht ihr es? Ich freue mich über Kommentare.

 

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