Irgendwie scheint sich vieles zu wiederholen. Aufgewachsen bin ich in einer Kleinstadt, die kurz vor meiner Geburt aufhörte, mit ihren 5000 Einwohnern Kreisstadt zu sein. Dafür bekamen wir ein Krankenhaus und Freibad “geschenkt”, das wir behalten durften. So als Ex-Kreisstadt. Aber als das kleine Kino seinen Geist aufgab, musste ich in die Metropole.

Und die war mit 25.000 Einwohnern wahnsinnige fünfmal so groß. Halbe Stunde mit der Bahn und man war in der Geburtsstadt von Theodor Storm. Es wirkte so großstädtisch, hatte sogar einen Karstadt mit Rolltreppe und Fußgängerampeln, die ich zuhause nicht hatte. Was für ein Quantensprung muss dann erst einmal eine richtige Großstadt sein.

Ich komme auf diesen Artikel, da ich gestern bei dasnuf den Artikel über ihren schmuddeligen Freund gelesen habe. Und wenn ich so zurückdenke, hätte mich Berlin nach der Schule wohlmöglich überfordert. Also suchte ich mir etwas Kleineres. Mit rund 120.000 Einwohnern, einer Festung, einem Fluss, Fußgängerzone und Straßenbahn, war ich glücklich und bedient zugleich. Mehr brauchte ich erst einmal nicht.

Die Uni war recht groß, mein Bereich lag am Rand etwas erhöht, so dass man vor dem Dösen in der Teilbibliothek noch einen Blick auf die Festung auf der anderen Seite erhaschen konnte. So stolperte ich dort über meine Herzallerliebste, wir gingen dann für je neun Monate in ein anderes Land, um mal den Horizont zu erweitern und fanden uns dann über kurz oder lang in Nürnberg ein.

Wahnsinn. Halbe Million Einwohner. Roundabout. U-Bahn. Yippieh. Sogar mittlerweile eine fahrerlose U-Bahnlinie. Und dann, vor jetzt über fünf Jahren, wirbelten unsere Zwillinge das Leben durcheinander und wir zogen raus aus der Stadt in den grüneren Gürtel. Gott sei Dank dahin, wo man die Vorgärten nicht harkt, denn wir haben keinen und mittwochs fährt zur Freude der Kinder die Straßenreinigung vorbei. Blickt ja so schön und ist komischerweise laut, obwohl “Silent” auf dem Fahrzeug steht. Ist wohl eher für die Betrachter gemeint: “Schau und sei leise!”.

Als ich dann in diesem Jahr nach langer Zeit wieder einmal in Berlin war, fühlte ich mich zuerst überfordert. Fünf Jahre ohne U-Bahn lassen einen abschwächeln. Diese ganzen Menschen, diese Größe. Hammer. Aber man gewöhnt sich daran. Ich habe es genossen. Auch das Schmuddelige. Das gehört dazu. Ob in London, New York, Berlin oder der Nürnberger Südstadt. Der Abschied fiel auch ein wenig schwer.

So schließt sich der Kreis, von klein nach mittel nach groß nach klein. Aber kann das alles sein? Wohl kaum. Wir werden sehen.

Und wohin hat es dich verschlagen?

 

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