Etwas trockener

Etwas trockener

Ihr kennt doch alle die kleine Raupe Nimmersatt. Immer mehr will sie essen, bis sie schließlich dick und rund ist und zu einem Schmetterling mutiert. So muss sich über die Zeit auch der Wassertripfen bei uns im Kaltwasserrohr gefühlt haben. “Oh, ich möchte mal ganz groß werden, so groß wie ein See”. Wie mach ich das? Ich fresse mich einfach durch das Kupferrohr.

Nun, das hat eine ganz schöne Zeit gedauert, aber irgendwann war der Punkt erreicht. Der Tropfen konnte an die Luft. Konnte sich zusammentun mit anderen, mit seinen Kumpeln und immer größer werden. Immer größer. Wäre da nicht die blöde Betondecke gewesen. Die stört. Also gut. Machen wir uns hier einfach breit, muss er sich gedacht haben. Irgendwann ist die Decke voll und wird dann schon ihr Wasser abgeben. So bei uns geschehen.

Leider hat ihm nun der Mensch von MBS gestern einen Strich durch die Rechnung gemacht und das Leck gefunden. Lochfraß, du kleiner, gemeiner Wassertropfen, ist kein Spaß. Das kannst du draußen machen. Aber nicht bei uns in den vier Wänden. Klar, ich wollte irgendwann das Kinderzimmer neu machen und mir was fürs Wohnzimmer überlegen. Aber jetzt?

Gut, so schnell schießen die Preußen nicht. Erst einmal muss alles gut durchtrocknen. Da wirst du weggepustet, du kleiner Tropfen, mit Generatoren, die das Haus vollstopfen und die Stromrechnung nach oben treiben. Die Leute von den Stadtwerken reiben sich schon die Hände. Aber dann. Dann bist du klein, ganz klein – und irgendwann nicht mehr da. Dann werden die Löcher in den Wänden verschlossen. Wir wollen dich nicht mehr sehen.

Deine Brüder wollen wir nur aus dem Wasserhahn, der Dusche oder der Toilettenspülung in vorgesehener Richtung sprudeln sehen und nirgendwo sonst. Hast du mich verstanden?

Gut.
Foto: (c) steko7 / photocase.com

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