Die totale Überwachung – wollen wir Eltern das?

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Vernetzte Kinderwelt
Vernetzte Kinderwelt
Vernetzte Kinderwelt - Foto (c) luxuz::. / photocase.de
Vernetzte Kinderwelt – Foto (c) luxuz::. / photocase.de

Als die ersten Computer die Wohnungen eroberten, schüttelt man den Kopf. Braucht niemand. Wofür das? Als die ersten Handys aufkamen, haben wir den Kopf geschüttelt. Braucht man nicht. Wer läuft schon mit solchem Knochen herum. Doch die Technik wird immer kleiner und leistungsfähiger. Smartphones haben mittlerweile mehr Power als manch Computer. Vernetzte Autos, vernetzte Häuser, vernetzte Kinder. Irgendwann werden wir wohl gar nicht mehr wissen, was alles vernetzt ist. Wollen wir das als Eltern?

Totale Kontrolle – immer vernetzter

Kaum kommen die Kinder auf die Welt, verändert sich der Blickwinkel. Überall lauern potentielle Gefahren. Davor möchte man als Eltern seine Kinder schützen. Elternsein bedeutet aber nun einmal auch ein Verlust von Kontrolle. Und das ist gut so. Wir müssen nicht jederzeit wissen, wo sich der Nachwuchs befindet. Neue Gadgets veranlassen aber dazu, ständig die Kinder zu überwachen und ihnen keine eigene Zeit für sich zu haben. Oh, die Kinder müssten eigentlich schon seit 5 Minuten zu Hause sein. Wo sind sie bloß? Dass es vielleicht auf dem Nachhauseweg ein interessantes Thema mit dem Freund zu besprechen gibt, man den einen oder anderen Stein in den Fluss kickt oder einfach mal den Wolken nachschaut, wird schnell vergessen. Wir werfen dann einen Blick auf den GPS-Tracker und sind beruhigt, wenn sich das Kind Richtung Elternhaus bewegt. Aber auch wenn wir die Kinder beim Essen fragen, was sie so den Tag über gemacht haben, können wir immer im Hinterkopf haben – hey, ich weiß, was du um 14 Uhr getan hast. Du warst nicht auf dem Spielplatz, sondern mit XY in der Stadt, …

dokiWatch – Smartwatch für Kinder bei Indiegogo

Indiegogo ist eine Fundraising-Site für unterschiedlichste Gadgets und Projekte. Stöbert man ein wenig herum, findet man die dokiWatch, eine Smartwatch für Kinder. Zielgruppe sind Kinder, die noch kein Smartphone haben, sondern damit an die neue Technik herangeführt und auch von den Eltern getrackt werden können. Eine Lite mit abgespeicherten Kontakten kann via Videophone kontaktiert werden. Eine Paniktaste und weitere Funktionen sind integriert.

Das Projekt dokiWatch schien einzuschlagen, denn Anfang Februar war die angesetzte Finanzierungsschwelle um das 1500-fache überschritten. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Also gibt es da eine Zielgruppe. Und das dürften ganz klar die Eltern sein, oder?

Schaut man sich den Funktionsumfang der dokiWatch an, kann man als sicherheitsverliebte Eltern nur nicken – oh ja, ich weiß wo mein Kind ist, es kann mich anrufen etc. Damit es nicht ganz so als “Spionage-Uhr” daherkommt, ist noch ein Fitness-Tracker und ein elektronisches Haustier integriert. Braucht man das? Doch wollen wir das als Eltern? Dann hängen wir noch mehr an den Gadgets zu Hause und überprüfen, wo sich der Nachwuchs herumtreibt. Ich frage mich, wie unsere Eltern unsere Kindheit überstanden haben. Okay, sie brauchten sich da keinen Kopf machen, weil die Technik noch nicht so weit war.

Mit der Sicherheitszentrale am Handgelenk können die Eltern auch “Sicherheitszonen” einrichten. Verlässt das Kind den eingegebenen Bereich, schlägt die Uhr Alarm. Über eine Paniktaste kann ein sechzigsekündige Notfallnachricht an die hinterlegten Adressen geschickt werden. Der aktuelle Standpunkt wird übermittelt. Dies geschieht minütlich, bis er von Elternseite abgestellt wird.

Und wie ist das mit dem Datenschutz?

Neben der Frage, ob wir diese komplette Überwachung wollen, steht der Datenschutz ganz oben. Irgendwo werden die GPS-Daten zwischengespeichert. Irgendwer könnte sich da Zugriff verschaffen und genau wissen, wer sich wo aufhält. Gerade kürzlich musste vTech eingestehen, dass es ein größeres Sicherheitsproblem gab. Auch der Hersteller verteibt “Smartwatches” für Kinder, die zwar keinen GPS-Tracker beinhalten, aber mit der eingebauten Kamera für viel Spaß bei Klassenarbeiten sorgen werden.

Würdest du deinen Kindern ein solches Gerät ans Handgelenk machen oder nutzt du so etwas bereits? Ich freue mich über deine Einschätzung dazu in dem Kommentarfeld unter diesem Beitrag.

Foto (c) luxuz::. / photocase.de

4 KOMMENTARE

  1. Danke für den Beitrag!
    Ich finde, Eltern müssen lernen, auszuhalten dass Kinder altersentsprechend alleine unterwegs sind. Ich als Mutter muss lernen, meinen Kindern zu vertrauen und meine Kinder müssen lernen mit diesem Vertrauen umzugehen. Denn diese Selbständigkeit und Eigenorganisation kann kein Kind in der Schule oder in einem Verein lernen. Als meine beiden das erste mal alleine unterwegs waren, habe ich mir natürlich Gedanken gemacht. Doch der Stolz der beiden als sie pünktlich wieder hier waren, hat mir gezeigt, wie unbezahlbar es ist, wenn wir uns aufeinander verlassen können.

  2. Also noch sind meine Zwei nicht in dem Alter, in dem sie alleine unterwegs sind. Aber später… Der Gedanke, ihnen so etwas ans Armband zu hängen ist verführerisch, aber ich würde es trotzdem nicht machen. Ich halte mich jetzt schon manchmal für zu fürsorglich. Und jetzt sind es nur so Sachen wie alleine klettern lassen auf dem Spielplatz.

    Was aber kommen wird ist eine Kindersicherung im Router. Aber ob mehr kommt, eher nicht.

    • Hallo Martin,

      ja, dieses erste so richtig alleine Spielenlassen auf dem Spielplatz hat uns viele Schweißperlen auf die Stirn gezaubert…

      Viele Grüße

      Sven

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